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THEMA: Meinungen

Meinungen 22 Apr 2016 10:02 #30483

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Da die Sache mit der Ukraina, Lybien und die verfehlte Russlandpolitik des "Westens", sowie die Flüchtlichsflut allesamt Geopolitik ist, hier einen, neutral gehaltenen und fundamentierten Beitrag darüber.

Heinrich Wohlmeyer
Gen. Dir. a. D., Hon. Prof., Dipl.-Ing. rer. nat., Dr. iur., Dipl. in Law, geboren 1936 in St. Pölten, studierte in Wien, London und den USA.

Er war erfolgreich in der Industrie- und Regionalentwicklung tätig und ist einer der wenigen Manager, die wegen ihres sozialen Engagements mit der goldenen Arbeiterkammermedaille ausgezeichnet wurden.


Die Flüchtlingsflut und die Paralyse Europas –
Was sind die strategischen Hintergründe.

Wer die Medien und die politische Diskussion des letzten Jahres verfolgt, muss feststellen, dass diese von der Flüchtlingsfrage – besser von der illegalen Massenimmigration - beherrscht wird. Strategisches oder gar geostrategisches Denken, Diskutieren und Agieren wurde ins Abseits gedrängt; für dieses ist gegenwärtig keine Zeit und kein Raum mehr vorhanden. Wir beschäftigen uns hektisch nicht mehr mit den Ursachen und Abhilfen im geopolitischen Kontext, sondern betreiben mehr oder weniger verdrängende, beschönigende, verleugnende und in Wirklichkeit verzweifelte Nachsorge statt Vorsorge.
Es ist daher an der Zeit, die Hintergründe, Ursachen und Ziele anzusprechen; denn deren Identifikation und Benennung ermöglicht erst die Befreiung aus dem Getriebensein in ein sich aufbauendes gesellschaftliches und sicherheitspolitisches Chaos – national und europaweit.
Die nüchterne Betrachtung der Geschichte der von außen in die zerrütteten Staaten hineingetragenen ‚Regime Changes‘ in Persien (Iran), Afghanistan, Irak, Libyen und nun in Syrien, die alle in mordendem Chaos endeten und noch andauern, zeigt vergleichbare Muster. Im Hintergrund stehen immer Rohstoff- und Finanzinteressen deren Verfolgung mit gewalttätigen Eingriffen im Kleid von ‚humanitären Interventionen‘ betrieben wurde und wird. Dieses ‚humanitäre Einschreiten‘ wird durch öffentliche Meinungsmache im Wege der Hauptstrommedien flankiert und vorbereitet. So wurde Mohammad Mossadegh zum gefährlichen Kommunisten gestempelt, von dem man sein Land befreien musste, weil er die Rohstoffquellen im Iran ins nationale Eigentum überführen wollte. In Afghanistan ging es sowohl um das Hinauswerfen der Russen (George h. W. Bush: „Das wird das Vietnam Russlands.“) als auch um den ungehinderten Öl- und Gas-Transit. Im Irak ging es um die US-dominierte Erdöl- und Weltgeldordnung (vor allem Fakturierung nicht mehr nur in US-Dollars). Der libysche Diktator wurde liquidiert, weil er drei ‚Sünden‘ beging: Planung einer afrikanischen Entwicklungsbank, die der Weltbankgruppe Konkurrenz gemacht hätte; Planung eines goldgedeckten Afrodollars, der den USD als Weltleitwährung in Frage gestellt hätte; und Verhandlungen mit Russland über eine Kooperation im Gas- und Ölgeschäft. Syriens Baschar al-Assad beging eine Initialsünde. Er verweigerte beim dritten Golfkrieg die Kooperation mit den USA und wurde plötzlich zu internationalen Erzfeind und Unterdrücker. Er beging jedoch mehrere ‚geopolitische Sünden‘ gegen den Welt-Hegemon und seine Adepten. Es waren dies die Unabhängigkeit von der Weltbank und dem IWF sowie von den Direktinvestitionen der großen US-GB-F-Kapitaleigner, die Eigenausbeutung der Rohstoffe, das Bündnis mit den Iranis und die Zurverfügungstellung einer Marine-Basis an Russland (der einzigen im Mittelmeer). Sein aktuelles Schicksal soll uns nachstehend kurz näher beschäftigen, weil es mit der gegenwärtigen Immigrantenflut und der Paralyse Europas eng zusammenhängt.

Die einschlägige Entwicklung in Syrien: Bashar al-Assad war bis zu seinem Rückzieher im Dritten Golfkrieg (Zweiten Irakkrieg) und seiner Nichtunterstützung der US-Besatzer im Irak geradezu Liebkind in den Hauptstrom-Medien. Dasselbe galt für sein ‚brüderliches‘ Verhältnis zu Recep Tayyip Erdogan. Warum dann der plötzliche Wechsel vom ‚Freund und Bruder‘ hin zur Forderung der Absetzung und Vernichtung des Nachbarn?
Die Erklärung liefert das Verhalten Russlands und Chinas im UN-Sicherheitsrat: Muammar Gaddafi wurde niedergemacht, indem man seine bekannten Grausamkeiten medial hochfuhr und im Sicherheitsrat eine ‚humanitäre Flugschutzzone‘ gegen das mörderische Terr*rregime Gaddafis durchsetzte. Danach wurde Libyen niedergebombt (Sogar Norwegen flog im Rahmen der NATO Einsätze.). Als man dies in Syrien ebenfalls ver*suchte, legten die in Libyen ausgetricksten Mitglieder, Russland und China, ihr Veto ein.

Also musste eine andere Strategie gefunden werden um Syrien zu knacken.[1] Es wurde die Türkei an Bord genommen und dem von osmanischer Größe träumenden ‚Sultan Erdogan‘[2] Teile des zerstückelten Syriens und gleichzeitig die Beseitigung der Kurdenpopulation an der syrisch-türkischen Grenze (also Permit zum Völkermord!) versprochen. Daraufhin lief die gesamte Logistik an Menschen (Söldner und Dschihadisten) und Material über die Türkei. Auch wurden drei Ausbildungslager für die ‚Befreier‘ (ursprünglicher Name ‚Syrische Befreiungsarmee‘) eingerichtet. Der Vasall Deutschland unterstützte den Aufmarsch durch die Aufstellung von Flugabwehrraketen unter deutschem Kommando. Diese bewirkten, dass die syrische Luftwaffe in einem Streifen von rd. 60 km vor der türkischen Grenze nicht mehr eingreifen konnte, weil bei den hohen Geschwindigkeiten immer eine Luftraumverletzung behauptet werden kann. Dadurch wurde das Aufmarschgebiet der ‚Befreier‘ abgesichert.

Ein wesentlicher Teil der Strategie war, das Land zu destablisieren, indem man große Teile der Bevölkerung – insbesondere das Rückgrat der Gesellschaft – zur Flucht veranlasste; denn mangels Ärzten, Ingenieuren, Lehrern und Verwaltungsbeamten bricht ein Gesellschaftssystem zusammen. So lässt sich die kooperative Aufnahme von fast drei Millionen Flüchtlingen durch die Türkei aus ‚humanitären Gründen‘ besser erklären, denn Erdogan ist wahrlich kein ‚Gutmensch‘ im europäischen Sinn.[3] Als sich der hineingetragene verdeckte Krieg in die Länge zog, nahm die Allianz USA-GB-F-Israel die Despotien im Krönungsornat (Saudi Arabien und die Ölscheichtümer) an Bord. Der Stellvertreterkrieg wurde dadurch zusätzlich zum Religionskrieg (Sunniten und Wahabiten gegen Schiiten und Aleviten).[4] Die Gefahr, dass dieser Pakt massive Folgen auch für Europa haben würde (siehe unten), wurde bewusst in Kauf genommen.

Schauplatzwechsel nach Europa: Da sich in Europa bei breiten Teilen der Bevölkerung Widerstand gegen den Welt-Hegemon und seine Strategien aufgebaut hat und aufbaut – insbesondere gegen die Kriegshetze gegenüber Russland, die Kriegszündeleien im Mittelmehrraum und die zunehmende finanzielle Fesselung – bestand die Gefahr, dass Europa einen eigenen Weg geht. Als besondere Gefahr wurde eine friedliche Zusammenarbeit mit Russland gesehen.[5] Daher musste eine Strategie zur Paralysierung Europas – insbesondere der EU - erfunden werden.

In der Einschleusung von Millionen illegalen Immigranten bei gegebener Arbeitslosigkeit und Budgetknappheit wurde ein geeignetes Mittel gefunden. Europa ist nun mit sich selbst beschäftigt und ist nicht mehr in der Lage geopolitisch die Strategien des Welt-Hegemons in Frage zu stellen.

Der Ablauf war höchst einfach zu durchschauen: In den Flüchtlingslagern wurden die tägliche Zuwendungen halbiert, die Vasallin (Diktion Z. Brzezinski) Frau Angela Merkel verkündete die unbegrenzte Aufnahme[6], die Saudis, Katarsis und die USA finanzierten die Flucht – insbesondere die modernen Mobiltelefone[7] – und die Türkei organisierte den Transport an die europanahen Küsten. Flankierend trommelten die Medien die notwendige Willkommens*kultur und stempelten jeden Menschen, der die Einhaltung der bestehenden Gesetze einforderte zu Unmenschen. Die mediengesteuerten Regierungen begingen in diesem ‚Klima‘ glatten Rechtsbruch. Die Fremdenpolizeigesetze und die Sanitärgesetze wurden außer Kraft gesetzt. Menschenmassen fluteten ohne Kontrolle nach Europa. In Österreich leistete der Staat sogar Fluchthilfe, indem Busse und Züge zur Ein- und Durchschleusung zur Verfügung gestellt wurden und werden. Besonders bemerkenswert ist hierbei, dass ca. 100 Heeres-LKWs eingesetzt wurden. Statt zum Schutz der Grenzen wurden die Soldaten zu Schlepperdiensten herangezogen.
Die dramatischen Folgen beginnen sich abzuzeichnen, da einerseits ein Großteil der Immigranten nicht integrationswillig ist, arbeitslose junge Männer in die Hände von radikalen Islamisten getrieben werden, die Sozialsysteme überfordert werden und Quar*tiere entstehen in denen das staatliche Recht nicht mehr beachtet und durchgesetzt wird.
Wenn sich dies aufschaukelt und es zu gesellschaftlichem Notstand kommt, kann man zur Disziplinierung Europas schließlich auch mit Notverordnungen und mit ‚helfender‘ militärischer Intervention vorgehen.

Es wird jedoch bei dieser Paralysierungsstrategie etwas Wesentliches vergessen:
Die OIC (Organization of Islamic Cooperation/Organisation für Islamische Zusammenarbeit)[8] hat bereits 1995 ein Milliardenprogramm für die Islamisierung Europas beschlossen und hat das Ziel, Europa zu islamisieren, nicht aufgegeben, sondern dessen Verfolgung intensiviert. Auf diesem Hintergrund ist die Einschleusung von geschulten Dschihadisten und die Unterminierung der bestehenden Gesellschaftsordnungen keine Verschwörungstheorie, sondern traurige Realität. Die destabilisierenden Attentate und Auflehnungen gegen die bestehende Ordnung und Kultur sind Teil der klassischen Dschihad-Strategie. Sie setzen darauf, dass die Regierungen und Behörden in ihrer Not, die islamischen Organisationen zur Befriedung und Integration heranziehen, womit die ‚Wölfe zu Hirten‘ (Diktion Arzu Toker[9]) gemacht werden.
Damit sind wir aber, wenn wir diese Tatsachen weiter nicht sehen wollen, auf dem Weg zu EURABIA, dem europäischen Kalifat[10]. (‚Der Weg zur theokratischen Diktatur geht über die Demokratie‘.)

Nach dieser hoffentlich gelungenen Augenöffnung wird ob der vorgegebenen Kürze bezüglich der gebotenen Auswege auf das Wiener Memorandum des Wiener Akademikerkreises vom Juli 2015 und seine jüngsten Ergänzungen verwiesen, sowie auf die Absicht, in der nächsten Ausgabe die Handlungsoptionen darzulegen.

Prof. DI. Dr. Heinrich Wohlmeyer
Dirndlhof, Marktlerstr. 13 – Schrattental 1
3180 Lilienfeld
Tel./Fax 0043 / 2762 / 53 173
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[1] Aus den von Julian Assange veröffentlichten Geheimdokumenten geht hervor, dass die USA bereits 2006 Pläne zum Sturz der syrischen Regierung entwickelte. (Siehe hierzu auch RT-27.10 2015, Julian Assange ‚Strategic Depopulation of Syria‘.)

[2] Diktion der türkischen Kolumnistin Ceyda Karan, die hierfür mit 4 Jahren Gefängnis bedroht wird. Dazu passt die Aussage R. T. Erdogans: „Islam bedeutet, dass der Halbmond wieder über Jerusalem steht.“

[3] Siehe auch die in Wikileak aufgedeckten Pläne – FN 1).

[4] Hier muss erwähnt werden, dass der ‚Assad-Clan‘ eine Diktatur nach altrömischem Muster betrieben hat. Man hatte Freiheit, solange man den ‚Kaiser‘ nicht in Frage stellte. Tat man dies, war man des Todes.
Die gute Bildung, medizinische Versorgung und öffentlichen Dienste, sowie nicht zuletzt die weitgehende Reise- und Studienfreiheit führten jedoch – im Unterschied zu den ‚Fundamentaldespotien‘, die die Bevölkerung bewusst ungebildet und isoliert halten – zum Wachsen einer kritischen Mittelschicht. Diese Menschen konnten via diverser NGOs zum – wenn auch nicht bewaffneten – Widerstand und am Ende zur Auswanderung bewogen werden.

[5] Die ‚Gefahr‘ Eurasiens wurde schon von den Engländern gesehen, deren Macht auf ihrer Flotte und den weltweiten militärischen Stützpunkten bestand und wird von ihrem Nachfolger als Welt- und Seemacht, den USA, ebenso wahrgenommen. Wer in der Literaturliste der United States Military Academy nachsieht, wird dort prominent Sir Halford Mackinder (1861 – 1947) finden. In dessen Schriften The Geographical Pivot of History (1904) und Democratic Ideals and Reality (Wiederauflage 1996) findet sich die Heartland Theory. Diese besagt, dass die Seemacht ausgespielt haben wird, wenn es zu einer Vereinigung des technisch hochentwickelten Europa und dem rohstoffreichen Russland kommt, zumal die ‚Eurasische Insel‘ vom Atlantik bi zum Pazifik reichen würde. Um dies zu verhindern, muss das Drehscheibengebiet (Pivot Area) – und dies ist Osteuropa – unter Kontrolle und in Gegnerschaft zu Russland gehalten werden.
Der Präsidentenberater Zbigniew Brzezinski aktualisiert dies in seinem Buch The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives (1997) und in seinen gegenwärtigen Aussagen und Empfehlungen zur Ukraine-Krise.

[6] Ein Mitglied des englischen Geheimdienstes M15 meinte auf die Frage, wie er sich solch selbstzerstörerisches Verhalten erklären könne: ‚Wenn ein deutscher Bundeskanzler nach Washington fährt, kommt er zur Befehlsausgabe.‘

[7] Alle ‚Flüchtlinge‘ haben modernste Mobiltelefone und sind bestens vernetzt und informiert.
Über diese perfekte Vernetzung hätte sich unverzüglich die Nachricht von kontrollierten Grenzen verbreitet und der Strom wäre abgebrochen …
Ein Bürgermeister erzählte mir, dass er in einer Schule und Turnhalle durchreisende Flüchtlinge untergebracht und verpflegt habe. Man forderte aber Geld und zeigte ihm am Mobiltelefon (Tablet), dass ein Anspruch auf € 200 pro Tag bestehe. Der Bürgermeister hatte Mühe die Aufgebrachten zu beruhigen und zu erklären, dass sie nicht einmal registriert seien und auch keinen Asylantrag gestellt hätten.

[8] Die OIC ist nach der UNO die größte zwischenstaatliche Organisation mit 57 Mitgliedern.

[9] Arzu Toker, Keinen Schritt zurück, S. 144. Arzu Toker ist eine ehemalige Muslima, die u. a. 16 Punkte, wieso ein mündiger Mensch, der sich seines Verstandes bedient, nicht Muslim sein kann, veröffentlicht hat. Konsequenz: Leben unter Deckadresse (So tolerant ist der ‚Europäische Islam‘.).

[10] Diktion Bat Ye’or (Gisèle Littman).

vgl. dazu:

"Caliphate Conference" Seeks to Islamize Europe, U.S.

A Muslim fundamentalist group is organizing a conference focused on turning Austria and other European countries into Islamic states. The "Caliphate Conference 201...

View on www.gatestoneinstitut...
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>>The Organization of Islamic Cooperation (OIC), a group of 57 Muslim countries that purports to be the collective voice of the Muslim world, sponsored an anti-Islamophobia symposium in Brussels on February 15 and 16, 2012. The first-of-its-kind event was entitled "Smearing Islam and Muslims in the Media," and was "aimed at establishing information mechanisms to face up to the slanderous campaigns against Islam in the media." The workshop was part of the so-called Istanbul Process, an aggressive effort by Muslim countries to make it an international crime to criticize Islam. The explicit aim of the Istanbul Process is to enshrine in international law a global ban on all critical scrutiny of Islam and Islamic Sharia law. Based in Saudi Arabia, the OIC has long pressed the European Union and the United States to impose limits on free speech and expression about Islam.<<

Die OIC ist nach ihrem Bestreben Europa zu islamisieren einen grossen Schritt weitergekommen. Ist das die grössere Gefahr für Europa?
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Meinungen 22 Apr 2016 11:00 #30485

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Man kann ALLES zur Meinungsmacher heranziehen!
Ergänzend zum Artikel:
China, Rußland: wieviel Tötungen gab es im Land durch das eigene Land bisher?
Amerika: - wieviel Tötungen im eigenen Land (z.B. Schwarze) gab es, gemäß obigen Schreibens wieviel Tötungen veranlasst durch aggressives Verhalten dazu außerhalb des Staates?
Worum geht es Amerika, Rußland und China? Weltherrschaft wegen? Gier - Macht und Gold
Geheimpapiere, die plötzlich publik werden, naja gut oder schlecht, aufklärend oder Meinung machend , gibt es nicht nur in den USA, zumindest bin ich davon überzeugt.
Ja, Islam? Alle Religionen möchten Mitglieder gewinnen.
Mit wieviel bösartiger Überzeugungskraft waren seinerzeit "christliche" Überzeugungstäter auf der Welt unterwegs?
In diesem Sinne, Ruhe bewahren. :evil: es findet sich immer eine Lösung wie die Gechichte zeigt.
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Meinungen 06 Mai 2016 11:14 #30727

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Ich möchte zum vornherein klarmachen, dass ich die Beiträge, die ich hier einstelle nicht unbedingt als alleinige Weisheit betrachte. Sie helfen aber sich ein Bild von der gegenwärtigen politischen Situation zu geben.

Worüber reden Europas Nationalisten miteinander? Von Tomas Spahn, Fr, 6. Mai 2016

FPÖ-Vormann Strache fordert aktuell ein Referendum zur Wiedervereinigung Tirols. Südtirol wieder zu Österreich? Was würde die Wiederkehr des Nationalismus bedeuten, von der in diesen Tagen oft gesprochen wird? Denken wir die Sprüche zu Ende.

Jüngst meldete sich die Jugendorganisation der AfD, kurz „Alternative Jugend“, zu Wort, um die Zusammenarbeit mit der Molodaja Gwardija (Junge Garde), der Jugendorganisation der Putin-Partei „Einiges Russland“, zu verkünden. Alexander Gauland, nationaler Chefprovokateur der AfD, begrüßte diesen Schritt, war er doch selbst bei seiner Reise nach Sankt Petersburg mit dem nationalfaschistischen Kreml-Ideologen Alexander Dugin und einem Vertrauten Putins zusammengekommen. Auch aus den engen Verbindungen zu anderen rechtsnationalen Gruppierungen wie der Europa-feindlichen UKIP des Vereinigten Königreichs oder der vom Kreml mit Millionen unterstützten Nationalen Front der Französin Marine LePen macht Gaulands Partei keinen Hehl.

Worüber unterhalten sich Nationalisten unterschiedlicher Nationen?

Jenseits dessen, dass auch hier die alte Spruchweisheit gilt, wonach die Wahl der Freunde Auskunft darüber gebe, wer man sei, soll nun eine bislang in den Medien weder gestellte geschweige denn beantwortete Frage betrachtet werden: Worüber reden Europas Parteien, die sich selbst als national, patriotisch, nationalistisch verstehen, eigenlich miteinander, wenn sich ihre Vertreter treffen? Was bedeutet eine politische Agenda des Nationalistischen in Europa. Denn eigentlich – um dies vorweg zu nehmen – müssten sie sich gegenseitig derart intensiv hassen, dass eine gemeinsame Ebene zur Kommunikation kaum zu finden ist.

Dugin und die europäischen Vasallen

Werfen wir beispielsweise einen Blick auf jenen Dugin. Seine Philosophie könnte in weiten Teilen im gerade wiederveröffentlichten Basiswerk der Deutschen Nationalen Sozialisten eines Österreichers namens Adolf Hitler abgeschrieben worden sein. Nur dass Dugin überall dort, wo Hitler „Deutschland“ und „deutsches Volk“ geschrieben hatte, die entsprechenden russischen Pendants eingesetzt hat.

Für Dugin steht unzweifelhaft fest: Das eigentliche Herrenvolk auf diesem Planeten sind die Russen. Ihnen gehört das Recht, die Welt zu beherrschen. In einem ersten, baldmöglichst zu realisierenden Schritt soll dieses Russische Empire seine Grenzen im Westen bis an den Atlantik zur portugiesischen Hauptstadt Lissabon ausdehnen. Im Osten träumt der Nationalfaschist von der Rückeroberung der Südmandschurischen Gebiete und der vorgelagerten, noch nicht russisch besetzten Inselwelt des Westpazifik und – selbstverständlich – von der Wiedereingliederung des damals von beiden Vertragspartnern als weitgehend wertlos erachteten, nordamerikanischen Alaska, welches Zar Alexander 2 im Jahr 1867 aus Geldnot für 7,2 Millionen Dollar an die USA verkaufte.

Für den russischen Herrenmenschen Dugin sind die Europäer westlich des Don ebenso wie Sibirer und andere Asiaten bestenfalls Vasallenvölker, die sich dem Willen Russlands widerspruchslos unterzuordnen haben.

Nicht viel anders sieht das bei den westeuropäischen AfD-Partnern aus. Ob Le Pen oder Farage – für sie steht ihre Nation im Sinne der aktuell verpönten ersten Strophe des Deutschlandliedes „über alles in der Welt“. Nicht anders findet sich die nationale Ausrichtung auch im Programmentwurf der AfD.

Da bleiben für die Nationalfranzosen die Inselbewohner traditionell „Rosbifs“, so wie Lafarges Truppe den Nerv der britischen Cockneys trifft, wenn sie die „Froschfresser“ auf den anderen Seite Kanals in traditioneller Überheblichkeit als „froggies“ bezeichnet. Selbstverständlich – um auch das festzuhalten, bleiben für den nationalen Briten die Deutschen „krauts“ oder „huns“ und für den nationalen Franzosen dickschädelige, barbarische „boches“.

Ein Dialog der Abscheu?

Wenn nun die eigene Nation „über allem in der Welt“ steht und der Blick auf den Nachbarn traditionell von oben herab erfolgt – säuseln sich dann Gauland und Dugin, Lafarge und Le Pen in den Gesprächen ihrer nationalistischen Internationale gegenseitig ins Ohr, dass sie sich eigentlich zutiefst verabscheuen? Erklären sie sich gegenseitig in vereinter Überzeugung, dass ihr minderwertiges Land eigentlich keinerlei historischen Anspruch auf Nichts hätte?

Bei Dugin – und damit bei Putin – ist der Fall bereits geklärt. Für ihn sind Gauland, L Pen und Farage die nützlichen Idioten, die das russische Herrenvolk benötigt, um seinen imperialen Anspruch bis an den Atlantik auszuweiten. AfD, FN und UKIP sind für die Strategen im Kreml nichts anderes als ihre fünften Kolonnen zur Vernichtung der demokratischen Ausrichtung Westeuropas, zur Implosion der verhassten Europäischen Union und zum Abschalten des US-amerikanischen Einflusses in Europa.

Das ist aus russischer Sicht angesichts der dort vertretenen, imperialen Ansprüche in jeder Hinsicht legitim. Aus ähnlichen Erwägungen unterstützte das Deutsche Reich 1917 den Berufsrevolutionär Wladimir Iljitsch Lenin und in den 1930ern nationalfaschistische Bewegungen in den europäischen Nachbarstaaten.

Deutschland zuerst! Oder auch nicht …

Was aber nun, wenn Gauland auf Le Pen trifft? Der Deutsche müsste in seinem „Deutschland-zuerst“-Anspruch als erstes die Rückgabe der nach dem sogenannten Dreißigjährigen Krieg in Folge eines völkerrechtswidrigen Angriffskriegs erworbenen reichsdeutschen Gebiete des Elsass und Lothringens einfordern. Tut er dieses nicht, so verrät er deutschnationale Interessen. Die Französin hingegen müsste den Anspruch auf die Saar, zumindest die linksrheinischen Gebiete Westdeutschlands und das badische Land unterstreichen.

Beim Gespräch mit dem nationalbritischen Farage wäre darauf hinzuweisen, dass die gewaltsame Übernahme der deutschen Schutzgebiete in Südwest- und Ostafrika sowie in Kamerun und Togo noch nicht abschließend geregelt ist. Schließlich erfolgten diese gewaltsamen Übernahmen als Bruch des deutsch-britischen Vertrages vom 1. Juli 1890, in dem die beiden Reiche ihre gegenseitigen Kolonialinteressen regelten.

Farage könnte im Gegenzug beispielsweise darauf verweisen, dass der von Deutschland veranlasste Waffengang ab Herbst 1939 England nicht nur bei den Amerikanern weiter verschuldet, sondern letztlich zum Zusammenbruch des britisch-kolonialen Empires geführt hat, wofür nun Deutschland gerade zu stehen habe. Was nun Gauland wiederum – ganz im Sinne der gemeinsamen nationalen Denkansätze – den Hinweis abnötigen könnte, dass die Kriegserklärung des Vereinigten Königreichs vom 3. September 1939 ein illegaler Akt gewesen und als völkerrechtwidriger Angriffskrieg zu werten sei, weil Deutschland schließlich nicht das Königreich angegriffen habe, sondern lediglich seine eigenen, nationalen Interessen in seinen ehemaligen, durch einen nicht minder völkerrechtswidrigen Diktatfrieden verlorenen Ostgebieten durchzusetzen gedachte. Als national denkender Brite sollte Farage dieser Logik durchaus folgen können – und es müsste ihn gleichzeitig inspirieren, mit ähnlicher Argumentation eine Strafexpedition gegen die aufmüpfigen und EU-ergebenen Schotten ebenso wie die Heimholung der abtrünnigen Iren durch den Deutschen absegnen zu lassen.

Nun – wir können davon ausgehen, dass derartige, dem jeweiligen „nationalen Interesse“ einer „Mein-Land-zuerst“-Doktrin entsprechenden Aneinanderreihung gegenseitiger Schuldvorwürfe und Ansprüche sicherlich nicht die aktuellen Gespräche prägen wird. Statt dessen werden wir unterstellen dürfen, dass im Mittelpunkt der aktuellen Zusammenarbeit nationaler Blockheads die gemeinsame Gegnerschaft steht. Diese wiederum rekrutiert sich derzeit vorrangig aus Europäischer Union als administratives Bürokratiemonster zu Lasten der „Nationalen Interessen“ und – selbstverständlich – den immer-bösen US-Yankees, die – gleich ob weiß oder schwarz geführt – kein anderes Ziel verfolgen, als die multilaterale Welt friedliebender Nationen dem Diktat des Wallstreet-Kapitalismus zu unterwerfen.

Der Feind meines Feindes ist mein Freund

Einmal mehr greift hier das schon in der Frühantike bekannte Muster der Regel: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“. Gemeinsame Gegnerschaft eint. Und sie eint gegenwärtig all jene, die in ihrer national-exklusiven Ausrichtung bei sachlicher Betrachtung ihrer Selbst und ihrer entsprechenden, aus nationalen Demütigungen erwachsenen Ansprüche einander spinnefeind sein müssten.

Liegen wir also falsch wenn wir unterstellen, dass diese Freundschaften der Nationalisten unterschiedlicher Nationen nur so lange halten werden, wie die gemeinsame Gegnerschaft funktioniert? Brauchen Putin und Gauland, Le Pen und Farage nicht die EU ebenso als Lebenselixier wie den Todfeind USA?

Spinnen wir den Faden weiter und unterstellen wir, diesen Herrschaften gelänge es, die sie derzeit einenden Ziele zu erreichen. Die EU bricht unter dem Zustrom illegaler Einwanderer und dem Trommelfeuer nationalfaschistischer Gegner mit logistischer Unterstützung aus Russland auseinander. Die USA eines ebenfalls den nationalfaschistischen Ideen offenbar nicht gänzlich abgeneigten Donald Trump hätten von ihren irren Partnern in Europa abschließend die Nase voll und würden die NATO als Nordamerikanisch-Australisches Verteidigungsbündnis ohne die zunehmend an Bedeutung verlierenden Kleinstaaten Europas zur POTO (Pacific Ocean Treaty Organization) neu ordnen. Und dann?

Nach EU- und NATO-Ende heim ins Reich

Dann hätten die Nationalen von Gauland bis Putin endlich ihre gemeinsamen Ziele erreicht – und nun die Chance, ihre eingeforderten, ureigensten nationalen Interessen durchzusetzen.

Gaulands Deutschland könnte also in umgehende Verhandlungen mit Frankreich, Dänemark, Polen und Belgien zwecks Rückgabe der seit 1918 verlorenen Gebiete eintreten. Das tschechische Parlament könnte zwecks Vermeidung ernster Konsequenzen aufgefordert werden, entweder die deutschen Sudetengebiete umgehend freizugeben oder als die neuen Bundesländer Böhmen und Mähren der Bundesrepublik beizutreten. In Österreich könnte die FPÖ – wäre sie konsequent – gleichzeitig die Volkabstimmung über einen entsprechenden Beitritt der neuen Länder von Vorarlberg bis Burgenland zur Großdeutschen Bundesrepublik im Sinne der Revolution von 1848 einleiten. Die deutsch-österreichische Forderung, den Südtirolern ebenso eine basisdemokratische Abstimmung über ihren freiwilligen Beitritt zur Bundesrepublik zu ermöglichen, läge dann bereits als gemeinsame diplomatische Note in Rom auf dem Tisch.

Russland hätte nun endlich die Chance, die von ihm beanspruchten Miniländer im Baltikum ebenso zu reintegrieren wie Finnland, die Ukraine, Rumänien und Bulgarien. Gleichzeitig sähe es sich mit der deutschen Forderung konfrontiert, Ostpreußen ebenso wie die vor 1918 deutsch-baltischen Gebiete zu räumen. Die Serben würden sich in einem Beistandspakt dem neurussischen Reich anschließen – Griechenlands national-sozialistische Koalitionsregierung, nunmehr auf Jahrhunderte verschuldet und völlig auf sich selbst gestellt, diesem Schritt folgen.

Alte Konflikte mit modernen Waffen neu beleben

Selbstverständlich würden die Verhandlungen zwischen Gauland-Deutschland und Le Pen-Frankreich über die beiderseitigen Rheinprovinzen nicht zu einem einvernehmlichen Ergebnis führen. Die jeweiligen nationalen Interessen ließen dieses nicht zu.

Gleichzeitig würden die Polen versuchen, sich gegen die doppelte Bedrohung durch Russland und Deutschland irgendwie zu wappnen – nur wie? Vermutlich würden sie umgehend an der nationalen A-Bombe arbeiten – als letzte Möglichkeit, den militärisch überlegenen Nachbarn etwas entgegen zu setzen. Daran käme übrigens auch Deutschland nicht vorbei, denn wenn die nationalen Interessen bei allen wieder ganz oben auf der Agenda stehen und Deutschland, wie von der AfD gefordert, zur Selbstverteidigung ohne Partner fähig sein soll, dann muss Deutschland damit rechnen, dass der bisherige Verbündete Russland doch bei passender Gelegenheit daran geht, den Dugin’schen Traum der russischen Atlantikküste Wirklichkeit werden zu lassen. Auch muss die neue Bundesrepublik selbstverständlich abgesichert sein gegen eine vorstellbare französische A-Bomben-Drohung für den Fall, dass der Rückgabeforderung zum ehemaligen Reichsland Elsass-Lothringen nicht stattgegeben wird.

Dieses gedachte, aber in der Logik der Kumpelei zwischen AfD, Putinpartei, Front National und UKIP irgendwann eigentlich unvermeidbare Szenario wird – hoffen wir jedenfalls – in dieser Form vermutlich nicht eintreffen. Zumindest nicht Eins zu Eins.

Der übernationale Konflikt der nationalen Einheitsfront

Dennoch bleibt die Frage: Wovon sprechen und träumen Gauland und Dugin, Le Pen und Farage, wenn sie sich in ihrer Gemeinschaft der Nationalisten treffen? Eigentlich können sich diese Gespräche tatsächlich nur in der gemeinsamen Gegnerschaft erschöpfen – und im Hinterkopf denkt sich ein jeder: „Haben wir EU und NATO erst einmal geschafft, dann bist Du dran, mein Lieber!“

Alles andere zumindest macht in der politischen Logik keinen Sinn. Es sei denn, es reicht Politikern wie Gauland und Co., ihre persönliche Machtperspektive in der Vasallenschaft als Unterführer der vorrangigen nationalen Interessen einer anderen Nation erschöpft zu sehen. In diesem Falle allerdings sei vorsorglich gemahnt: Solche Abhängigkeiten können, wie die Geschichte schon in der späten Kupferzeit bewiesen hat – für den Vasallen schnell tödlich und für das Vasallenvolk schnell in der Knechtschaft enden.
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Meinungen 06 Mai 2016 21:39 #30731

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Hallo,

ich möchte auf diesen Text keinesfalls eine Entgegnung schreiben, denn die Schwerpunkte sind gut herausgestellt und machen auch mich genauso stutzig.

Heute las ich, dass sich die Rechten in D, A und Ungarn, so glaube ich, auf eine Netzplattform einigen wollen. Das soll dann zur gegenseitigen Abstimmung der Gangart und der Bündelung der Kräfte dienen. Ahja.

Der typische rechte Tätowierte mit Piercing kann nach meiner Meinung weder Englisch noch recht Deutsch lesen und schreiben. Wozu diese Plattform bitte ? Die AfD will den Wehrdienst für alle Männer. Sie haben selbst nicht gedient !?

Ja, ich bin bösartig mit meinen Worten, weil ich nicht zu diesen Enttäuschten ewig Nörgelnden gehören will. Das geht einem doch auf den Senkel, wenn man immer nur dagegen ist. Gegen die EU, gegen den Euro, gegen Schengen, gegen Ausländer, gegen ...

Wenn etwas nicht stimmt, so sollten wir es anpacken und im Sinne unserer Demokratie und Freiheit für die Menschen im Land ordnen. Das ist ein ein Ziel. Demokratie und Freiheit sind ein hohes Gut. Wir sollten es schützen und behüten.

Gruß nobody
слава украине - es lebe die Ukraine - Слава Україні

Ukrainer Forum auch auf Facebook: www.facebook.com/pages/Ukrainer-Forum/201922826640205
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Meinungen 07 Mai 2016 08:46 #30733

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Nobody: Gut gebrüllt mein senkrechter Demokrat.
Das Ziel Demokratie und Freiheit ist ein wertvolles Gut, von welchem wir im Westen grossgewordene Bürger jeden Tag profitieren ohne es richtig wahrzunehmen. Es ist ja ein so selbstverständliches Gut.

Diejenigen, die die DDR lange als Heimat kannten, sehen den Unterschied zwischen dem Früher und dem Heute besser als wir, die die totalitäre Staatsform nie gekannt haben.

Jetzt wollen uns verschiedene Braunhemden diese Staatsform wieder aufzwingen. Da bin ich der Meinung dass diesen dieses Unterfangen nicht gelingen wird, denn die Menschen die diese Regierungsform erlebt und am eigenen Leib verspürt haben, wollen das misslungene Experiment nicht wiederholt sehen. Das einzige, was gewisse Menschen möchten, ist, dass der Staat für sie sorgt und denkt, damit sie ein Flonerleben führen können wie zur Zeit der DDR.
In einer Demokratie zu leben, verlangt halt vom Menschen mehr Mitarbeit und Mitgestaltung.

Die Kolleginnen von Lydia ( fast alles Frauen, die die UdSSR erlebt haben) staunten recht stark, als ich sagte, dass ich während der Zeit des kalten Krieges frei von einem Land Westeuropas zu einem anderen Land reisen konnte. Klar gabs Grenzkontrollen, diese waren aber lächerlich. Sie dachten, dass der Westen nur seit Schengen so frei bereisbar sei, es also eine Erfindung der Neuzeit sei.
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Letzte Änderung: 07 Mai 2016 08:51 von Agence.
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Meinungen 07 Mai 2016 10:37 #30735

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Hallo,

ich mache verschiedene Beobachtungen, welche ich nicht auf die Kette bekomme:

1. Die Beteiligung in Vereinen und anderen (auch politischen) Gruppierungen nimmt rapide ab - also das gesellschaftliche Engagement insgesamt.

2. Das eigene Ich steht immer mehr im Mittelpunkt. Paarbindungen sind nicht auf Ehe und Familie ausgerichtet, man will mehr Freizeiterlebnisse. Das darf auch ruhig was Kosten (Fitnessstudio statt Turnverein).

3. Viele Menschen wollen "Schnäppchen" machen. Mitfahrzentralen, ebay, Uber, Tagesvermietungen von Wohnungen boomen. Alles möglichst am Fiskus vorbei.

4. Echte Selbständigkeit ist auf dem Rückmarsch. Man scheut das Risiko, man will kaum mehr das Startkapital zusammenbringen, man will kaum mehr Arbeitsplätze schaffen. Und wenn man dann jemanden einstellt, dann zu den schrecklichen Konditionen, die man vorher für sich als Arbeitnehmer vehement ablehnte.

5. Vorsorge in Eigenregie ist seit Jahren gefordert und wird nicht in ausreichender Weise betrieben. Ich kenne kaum Leute, die zusätzlich neben der Rentenversicherung eine weitere Säule aufbauen, die später einen etwa gleichhohen monatlichen Ertrag abwirft. Auf meine Nachfrage höre ich fast unisono ein fettes "Aber".

Diese Liste kann noch um etliche Aspekte erweitert werden. Ein Fazit können wir getrost bereits aus obigen wenigen Punkten ziehen: Egoismus und gleichzeitig fehlende Initiative führen dazu, dass die anderen (oft der Staat) es wohl richten sollen. In der Zwischenzeit konzentriere ich mich auf meine Privaterlebnisse.
Haben die etablierten Parteien diesen Wunschzettel bisher nicht zu füllen vermocht, so setzen wir die Hoffnung in neue Heilsversprecher. Brot und Spiele.

Gruß nobody, der meint, dass wir selbst unser Leben gestalten sollen

+++++++++++++++++
Oh, fällt mit das schwer. Welches sind meine Gedanken, sind sie richtig, wie formuliere ich ? Deshalb nochmals ein Zusatz:

Das Aufkommen der Rechten hat irgendwie etwas mit einer Sinnkrise oder Handlungsunfähigkeit des Einzelnen in unserer Gesellschaft zu tun. Da sollten wir ansetzen. Die Heilsversprecher braucht es dann nicht. Sie sind sogar kontraproduktiv.
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Meinungen 10 Mai 2016 11:29 #30759

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Warum Russlandfreunde nicht AfD wählen sollten

www.russland.ru/warum-russlandfreunde-ni...afd-waehlen-sollten/

Hallo Agence,

ich will zu deinem Punkt, dass sich im Kern die nationalen Elemente gar nicht verstehen dürften, hier mal einen Link setzen.
Der verlinkte Text ist aus deutsch-russischer Sicht geschrieben; ich verwende lieber das Wort "Spätaussiedler", kann aber nicht sagen, inwieweit das hier zuträfe. Ich möchte nicht über Einzelpunkte des Beitrages dort streiten.

Mir kommt es eher auf den Tenor an, der da angeschlagen wird.

Gruß nobody
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Meinungen 10 Mai 2016 22:37 #30772

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Nobody
Das geht gleich mit meinem Beitrag betr. Freysinger.
Es ist klar, dass die Parolen der AfD oder der SVP in grosso identisch sind. also fremdenfeindlich sind und das nicht nur gegen die echten Fremden, sondern auch gegen die Fremden der 2. Generation, die moistens eingebürgert sind und 2 Pässe haben.
Darum ist es für mich unverständlich, dass mehrere ehemalige Flüchtlinge aus dem Ostblock für die SVP in den politischen Ringkampf steigen.
Auch die SVP ist gegen dem Doppelbürgertum.
Sie meinen diese Menschen sollen sich klar zur Schweiz bekennen, ohne zu berücksichtigen, dass diese Menschen 2 Wurzeln haben.

Im letzten Abschnitt des Artikels von Russland.ru steht es klar, diese Menschen bewundern Putin für seine starke Hand. Wäre es Hitler, würden sie das Gleiche sagen.
Putin unterstützt diese Idioten nur, weil sie eine EU- und NATO-feindliche Speerspitze bilden. Aber sonst will er mit diesen Parteien nichts zu tun haben. Das müssen wir verstanden haben und dann ziehen wir andere Schlüsse.

DAS IST DAS, WAS DIESE MÄNNER UND FRAUEN DER AfD, FPÖ oder SVP NOCH NICHT BEGRIFFEN HABEN.
Freisinger ist da der gleiche Ignorant (verwendete ein besseres Wort, aber dieses könnte mir Ärger einbringen. Darum belasse ich es so.
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Meinungen 12 Mai 2016 15:34 #30812

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Und zu der AFD möpchte ich Sagen, wer die Wählt hat keinen IQ. Wer sich mit deren Parteiprogramm beschäftigt bekommt viel Nonsens zu lesen. Meiner Meinung nach haben die keine Zukunft.
Letzte Änderung: 12 Mai 2016 15:35 von Fretchen.
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Meinungen 15 Mai 2016 23:56 #30869

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Ich möchte einmal in die russische Geschichte eintauchen ab der Oktoberrevolution und die Gründe aufzeigen, warum es in der SUA zu einer Hungersnot kam.
Ist auch interessant um die totalitäre Funktionsweise der Sowjetunion zu verstehen.

Politik und Wirtschaft
Die Sowjetunion war zeit ihres Bestehens eine Diktatur, ein Unrechtsstaat, in dem alle Macht von der Parteiführung, dem Politbüro, ausging. Revolutionsführer Lenin war nicht bereit, die Macht mit anderen linken Parteien (Sozialrevolutionäre, Menschewiki) zu teilen, und ließ die am 10. November 1917 im ganzen Land gewählte verfassungsgebende Versammlung, in der die Bolschewiki lediglich ein Viertel der Sitze innehatten, im darauf folgenden Jänner auflösen. Andere politische Parteien wurdenverboten, eine Pressezensur durchgesetzt und Andersdenkende verhaftet. Bereits am 12. Dezember 1917 ging aus dem Militärkomitee der Bolschewiki eine Geheimpolizei, die so genannte Tscheka (Čeka, auch VČK, später GPU, OGPU, MGB, NKGB, KGB genannt) hervor. Sie agierte damals und später als „Schild und Schwert“ der Partei, wurde vom Politbüro geleitet und soll im Bürgerkrieg mindestens 250 000 Todesurteile gefällt haben. 1921 sah sich Lenin zu einer Kursänderung gezwungen. Der Kriegskommunismus – Ablieferungspflicht für Agrarprodukte und eine unter Militärkommando arbeitende Industrie – stieß auf immer größeren Widerstand. Es kam zu Streiks, zu Bauernaufständen und zum berühmten Kronstädter Aufstand der roten Matrosen, die Neuwahlen zu den Sowjets und Freiheit für alle linken Organisationen forderten. Die Rote Armee und die Tscheka schlugen alle aufständischen Aktionen erbarmungslos nieder, aber Lenin sah ein, dass eine wirtschaftliche Lockerung notwendig war. So wurde die NĖP (Neue Ökonomische Politik) eingeführt: die Pflichtabgaben der Bauern wurden durch eine Naturalsteuer, später durch eine Geldsteuer, ersetzt; Kleinhandel und Kleingewerbe privatisierte man vollkommen, so dass in weiten Bereichen der sowjetischen Wirtschaft kapitalistische Marktbeziehungen wieder Fuß fassten. Für viele Parteimitglieder der kommunistischen Partei (VKP) war die NĖP lediglich ein verhasstes und zeitbedingtes Zugeständnis an den Klassenfeind. Lenin wollte vom Krankenbett aus seine Nachfolge ordnen, schloss aber alle leitenden Mitstreiter individuell als Alleinerben aus und befürwortete eine kollektive Führung: Trockij [Trotzki], der populärste Bolschewik nach Lenin und Gründer der Roten Armee, war zu arrogant; Bucharin, der Parteitheoretiker, „der Liebling der Partei“, nicht sattelfest genug in ideologischen Fragen, und Stalin, der Sekretär des Zentralkomitees, zu grob und brutal. Lenin starb im Jänner 1924 und fünf Jahre spatter hatte Stalin die Oberhand gewonnen, nachdem er 1927 die Linke um Trockij und 1929 die Gemäßigten um Bucharin aus ihren Machtpositionen verdrängt hatte. Die politischen Differenzen zwischen seinen Widersachern in der Parteiführung waren zu groß, als dass sie sich auf eine gemeinsame Linie gegen ihn hätten einigen können. Stalin verstand es meisterlich, die eine Gruppe in der Führung gegen die andere – die Konstellationen wechselten je nach Streitfrage – auszuspielen. Dabei kam ihm sein Organisationstalent zugute, da er aufgrund seines anfangs als nicht sehr wichtig erachteten Postens als Generalsekretär Personen seines Vertrauens in leitende Positionen zu befördern vermochte und bis 1927/28 taktisch klug vorging. Einfachen Parteimitgliedern, deren Sprache er auch benutzte, erschien er bescheiden, moderat und volksnahe. Der Personenkult um Stalin setzte 1929 anlässlich seines 50. Geburtstages am 21. Dezember voll ein. Die Pravda widmete ihm mehrere Seiten und die Huldigungsadressen trafen wochenlang in den Redaktionsstuben und Parteibüros ein. Nun wurde er als vožd‘, Führer, und nicht mehr als Mitglied einer kollektiven Führung tituliert. Ihm wurden gleich drei Meriten zugebilligt, die er gar nicht verdient hatte: schon 1929 wurde nicht nur die Wirklichkeit – Propaganda soll die Wirklichkeit inszenieren– entstellt, sondern auch die Vergangenheit. In den Ergebenheitsadressen hieß es erstens, Stalin sei „kein einziges Mal von Lenin abgewichen“. Dabei hatte er immer wieder Differenzen mit Lenin, vor der Revolution 1917 wegen der Aprilthesen und – am bekanntesten – 1922, als er die Krupskaja, Lenins Frau, beleidigte und in der Nationalitätenfrage Handlungen setzte, die Lenin verurteilte. Zweitens, die Darstellung von Stalin als „hervorragendem Organisator“ des Oktobersieges 1917 – damals spielte er eine untergeordnete Rolle, die
wichtigsten Akteure waren Lenin und Trockij. Drittens soll er zum Sieg im Bürgerkrieg wesentlich beigetragen haben, aber das Gegenteil war der Fall. Im polnischen Feldzug 1920 hatte er durch strategische Fehler und Sturheit die Niederlage der Roten Armee bei Warschau mit zu verantworten, gleichfalls gingen militärische Schlappen an der Südfront bei Caricyn, dem heutigen Volgograd (Stalingrad), auf seine Kappe. 1927 war das Schlüsseljahr, das den Wendepunkt (перелом) einleitete, die zweite Revolution – die forcierte Industrialisierung und die mit Gewalt erzwungene Kollektivierung der Landwirtschaft. Diese Umwälzungen bezeichnet man auch als „die Revolution von oben.“ Russland war ein Agrarland mit einer bis 1917 wenig differenzierten Gesellschaftsstruktur: die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung lebte auf dem Lande, der industrielle Sektor war klein, ebenso die Mittelklasse und die lohnabhängige Arbeiterschaft. Obwohl schon 1926 die landwirtschaftliche Produktion und die Reallöhne in der Industrie das Niveau von 1913 wieder erreicht hatten, hielt die Absatzkrise an. Die Schere entstand aus der großen Diskrepanz zwischen Agrar- und Industriepreisen: aufgrund der niedrigen Erlöse aus dem Verkauf von Agrarerzeugnissen an den Staat konnten oder wollten die Bauern die künstlich teuer gehaltenen und nicht in genügendem Maße vorhandenen Industriewaren nicht kaufen. Russland war 1926 noch ein Agrarstaat – 120 der 146 Millionen Menschen lebten auf dem Lande und nur 31 Städte hatten mehr als 100 000 Einwohner. Der „Warenhunger“ auf dem Dorf führte dazu, dass die Lebensmittelproduktion für den Markt stagnierte, weil die Bauern angesichts der niedrigen Preise für ihre Produkte lieber für den Eigenverbrauch als für den Staat produzierten, das Getreide an ihr Vieh verfütterten oder große Reserven anlegten. Die Agrarproduktion deckte zwar noch großteils den Bedarf der Städte ab, führte aber zu einer Kürzung der Exporte, was wiederum die Industrialisierung behinderte, da wenig Rohstoffe oder Maschinen aus dem Ausland eingekauft werden konnten. Andere Mittel für die Finanzierung der Industrialisierung als das Mehrprodukt aus dem Agrarsektor hatten die Bolschewiki nicht: sie bekamen kaum Kredite im Ausland, weil sie sich weigerten, die Schulden der zaristischen Regierungen zu bezahlen oder das nach 1917 beschlagnahmte Kapital ausländischer Firmen zurückzuerstatten. Generell brachten Exporte aus der UdSSR dem Staat wenig ein, zum einen, weil zu wenig Überschüsse oder fertige Produkte ausgeführt wurden, zum anderen, weil Großbritannien, Russlands wichtigster Handelspartner, die Handelsbeziehungen 1927 abbrach. Daher kreisten alle Erörterungen über den Aufbau einer Großindustrie unweigerlich um die Frage, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Ausmaß die Reserven des Agrarsektors zur Finanzierung einer durchgehenden industriellen Revolution herangezogen werden konnten.
1928 leitete Stalin persönlich die erste groß angelegte Getreiderequisition seit dem Bürgerkrieg. Diese „ural-sibirischen Methoden“, wie seine Gegner die Zwangsabnahme titulierten, kamen einem klaren Bruch mit Lenins Politik gleich, die ein langsames Hineinwachsen in den Sozialismus und die freiwillige Erfassung der Bauernmassen auf genossenschaftlicher Basis vorsah. Die 1929 beginnende und 1934 abgeschlossene Kollektivierung der Landwirtschaft war insofern eine Abkehr von Lenins Grundsätzen, als sie die traditionelle smyčka, die Allianz von Arbeitern und Bauern im bolschewistischen Parteikanon, über Bord warf. Ministerpräsident Rykov, Parteitheoretiker Bucharin und Gewerkschaftsführer Tomskij waren die prominentesten Gegner Stalins in der Agrarfrage und wurden 1929 politisch kaltgestellt. Die Enteignung und Vertreibung der Bauern wurden von der Geheimpolizei OGPU, Funktionären der Dorfsowjets und Parteiaktivisten aus den Städten mit aller Brutalität durchgeführt. Die Kampagne war überhastet, nicht durchdacht und wahllos, was die Opfer betraf, denn die Definition, was ein kulak (reicher Bauer) eigentlich ist, oblag den vor Ort handelnden Repräsentanten der Sowjetmacht. In den Jahren 1930/31 wurden 1,7 Millionen Menschen (360 000 Bauernfamilien) nach Sibirien oder in den Hohen Norden deportiert, weitere zwei bis drei Millionen flohen aus Angst vor Repressalien in die Städte und ca. 20 000 wurden von der Geheimpolizei standrechtlich erschossen. Der kollektivierte Rest der Bauernschaft trat bald aus dem kolchoz aus, denn er erhielt keinen Lohn, sondern nur Naturalien für seine Arbeitsleistung. Mit der Einführung von Inlandspässen Ende 1932 wollte man die Landflucht eindämmen – 15 Millionen Menschen wanderten oder flohen zwischen 1926 und 1933 vom Dorf in die Großstädte oder in neue Industrieorte. Die Bauern erhielten aber keine Pässe und waren nun wie in der zaristischen Vergangenheit an ihren Heimatort gebundene Sklaven. Die Beschlagnahmungen auf dem Land führten zu Hungersnöten, allein in der Ukraine gab es 1932/33 drei bis vier Millionen Hungeropfer. Die grassierende Lebensmittelknappheit versuchte man mit Rationierung abzufangen. Eine andere langfristige Folge war die Steigerung der Kriminalität in den überfüllten Städten. Erst 1938/39 erreichte die landwirtschaftliche Bruttoproduktion wieder den Stand von 1928. Die Größenordnung der Investitionen für die Industrialisierung – den ersten Fünfjahresplan (1928-1932) – belief sich auf vierzig Prozent des Nationaleinkommens. Die Mittel dafür holte sich der Staat aus der Landwirtschaft, deren Erzeugnisse extrem billig erstanden und an die Bevölkerung teuer verkauft wurden, wobei etwa zwei Drittel des Endpreises aus einer sehr hohen Umsatzsteuer bestanden. Die Ziele des Fünfjahresplanes waren höchstmögliche Wachstumsraten in Schlüsselzweigen der Wirtschaft – Stahlerzeugung, Traktoren- und Autowerke, Ausbau der Transsibirischen Eisenbahn usw. Der Investitionstaumel ließ alle Effektivitätskriterien außer Acht und beruhte auf unrealistischen Produktionsziffern, war somit Ausdruck des Voluntarismus – ein Hauptmerkmal des Stalinismus – der Parteiführung. Industriespezialisten, die Bedenken äußerten, wurden verfolgt. Der erste große Schauprozess seit 1922, die Šachty-Affäre, ging 1928 in Moskau über die Bühne. Angeklagt waren Manager der Bergwerke im Donbass, darunter etliche Ingenieure aus Deutschland. Die Anklage der Sabotage („Schädlingstätigkeit“) war frei erfunden und diente – wie bei allen darauf folgenden Gerichtsdramen dieser Art – einerseits als Ventil für den Volkszorn, andererseits zur Abstrafung von Sündenböcken für Havarien, Unfälle und Nichterfüllung des Planziels in der Industrie. Anschließend richtete das Regime sein Feuer auf die „bürgerlichen“ Spezialisten in den Betrieben und traf dabei auf Zustimmung der nun schlechter verdienenden und mit Lebensmittelknappheit kämpfenden Arbeiter. Die Entwicklung der Reallöhne nach dem Beginn des ersten Fünfjahresplanes war katastrophal: laut Index sanken sie von 100 im Jahre 1928 auf 34 im Jahre 1935. Die Löhne sanken, weil Grundlöhne zugunsten von Stückakkordsätzen abgeschafft wurden und weil die Lebensmittelpreise zwischen 1928 und 1932 in staatlichen Verkaufsstellen um 76 Prozent, auf dem freien Markt gar um 769 Prozent, gestiegen waren.10 Mit dem Stalinwort „Die Technik meistern“ leitete man 1931 technische Grundkurse für junge Arbeiter ein, die sowohl die bürgerlichen als auch die ausländischen Facharbeiter ersetzen sollten. 1934/35 trat eine Atempause ein – die Ziele des zweiten Fünfjahresplanes (1933-1937) waren realistischer, die Rationierung von Lebensmitteln wurde weitgehend aufgehoben und die Stachanov-Bewegung brachte 1935/36 kurzfristig höhere Löhne in der Großindustrie. Der Bergarbeiter Aleksej Stachanov diente als leuchtendes Beispiel für Produktivitätserhöhungen, aber die Bewegung, die kurzfristig Lohnerhöhungen brachte, solange die Normen konstant blieben, war schließlich kontraproduktiv, weil sie den normalen Arbeitsablauf störte – optimale Arbeitsbedingungen für alle konnten die Betriebe nicht gewährleisten. Die Stachanov-Periode lief unter der Losung Stalins „Die Kader entscheiden alles!“, was ja einen demokratischen Unterton suggerierte. Man könnte aber einwenden, der Spruch bedeutete, die Kader seien für alles im Betrieb verantwortlich, auch strafrechtlich verantwortlich, und nicht die Parteiführung oder die Planungsbehörden und Ministerien in Moskau.
Mitte der dreißiger Jahre schienen die ärgsten wirtschaftlichen Probleme vorbei zu sein, und nichts deutete auf eine massive Terrorwelle hin. Die Grundlagen für einen totalitären Staat waren indes bereits mit der Installierung des bolschewistischen Parteimodells gelegt worden. Nach der Zerschlagung aller oppositionellen Tendenzen ging das Stalin-Regime ab 1935 dazu über, den „objektiven Gegner“ anzuvisieren, darunter im Lande lebende Menschen ausländischen Ursprungs, die in einer gewissen historischen Konstellation von den sowjetischen Machthabern zu „Feinden“ erklärt wurden. (Darunter sind Russlanddeutschen zu verstehen)
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Meinungen 16 Mai 2016 10:59 #30876

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Hallo,

ein übertriebenes nationales (nationalistisches) Gehabe hat auch immer etwas mit einem Führungsanspruch meist nur einer Gruppe Mensch zu tun. Dabei kann mal die Volkszugehörigkeit, die Sprache, die Religion oder auch das Territorium argumentativ herangezogen werden. Interessant ist, dass hier je nach Bedarf verfahren wird, was ich als widersprüchlich empfinde. Aber manchem Zeitgenossen sind halt alle Mittel recht. In jedem Fall verbindet die besagte Gruppe ihre Idee immer mit dem "wir sind die Besseren".

Als Schüler las ich viel über den Nationalsozialismus (besonders die Entstehung) und den Zweiten Weltkrieg. Und ich konnte mit Zeitzeugen problemlos sprechen, was jüngeren Menschen kaum noch möglich sein wird.

Die tieferen Aspekte der Sowjetunion waren für mich kaum ein Thema, unsere eigene Geschichte und die Folgen dominierten. Das änderte sich mit den letzten Stunden der DDR. Aber meine Freude war übermächtig, und für echtes Verstehen fehlten mir einfach die Grundlagen.

Natürlich habe ich den Zusammenbruch der Sowjetunion miterlebt. Ich habe es aber in erster Linie auf wirtschaftliche Ursachen bezogen, welche im System verortet waren. Viele schlaue Menschen stellen das auch heute noch in den Vordergrund.
Erst in den letzten Jahren machte ich mich auch mit weiteren Gesichtspunkten (System etc.) vertraut. Hier mal ein Link: www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/do...unter.pdf?sequence=1

Ich stelle fest: Russland hat einen Führungsanspruch immer durchgezogen - angefangen von der Kolonisation, die Dominanz über die Vasallenstaaten / - völker, selbst noch im Exodus. Das bricht sich heute wieder seine Bahn. Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt.

Gruß nobody

PS: der verlinkte Text ist aus dem Jahr 1995, und da finden sich viele Punkte, die in die Jetztzeit weisen
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Letzte Änderung: 16 Mai 2016 11:02 von nobody.
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Meinungen 16 Mai 2016 11:01 #30877

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aus Tychis Einblick
Geld ja, Deutschland nein

European Song Contest: Zeit, die ESC-Taste zu drücken, Tomas Spahn, Mo, 16. Mai 2016
Bereits im Vorfeld tobte der Russisch-Ukrainische Konflikt nicht nur in den sozialen Netzwerken. In Aufrufen, die Krimtatarin zu unterstützen, die mit ihrem Song „1944“ die Verschleppung und Vernichtung der Krimtataren durch die stalinschen Erfüllungsgehilfen anklagte.

Es lohnt nicht, darüber zu klagen, dass Deutschland wieder einmal ganz hinten liegt in diesem European Song Contest, kurz ESC. Satte 11 Pünktchen konnte Jamie Lee einfahren – am Lied hat es nicht gelegen. Eher schon an dieser lächerlichen, kindergartenmäßigen Verkleidung, die einmal mehr Deutschland als Kinderrepublik unter Beweis gestellt hat. Wenn erwachsene Frauen neckisch mit Bein und Brust an die sexuellen Bedürfnisse der männlichen Zuschauer und Voter appellieren, wirken Ringelstrümpfe und Fusselantennnen schon etwas altbacken bis befremdlich. Sei es drum – das spielte kaum eine Rolle, denn der ESC war 2016 wieder einmal eine hochpolitische Veranstaltung.

Bereits im Vorfeld tobte der Russisch-Ukrainische Konflikt nicht nur in den sozialen Netzwerken. Aufrufe, die Krimtatarin zu unterstützen, die mit ihrem Song „1944“ die Verschleppung und Vernichtung der Krimtataren durch die stalinschen Erfüllungsgehilfen anklagte und damit einen zwar abgeleugneten, dennoch unübersehbaren Bezug zur aktuellen Russland-Politik herstellte, sollten ein ohne Zweifel thematisch höchst bedenkenswertes Lied, das aber sonst so gar nicht in die Welt der Popkultur passen mochte, als Denkzettel gegen die völkerrechtswidrige Okkupation der Krim nach vorn bringen. Die Russenfront hielt dagegen – der nur mäßig innovative Poptitel aus Putins Reich sollte den Beweis erbringen, dass der gedachte Weltmachtanspruch Russlands auch im Weltmusikreich durchgesetzt werden konnte. Am Ende obsiegte die Anklage gegen den imperialistischen Rassismus der Moskowiter – und Russland musste sich mit Platz 3 zufrieden geben.

Unten ganz Oben
Ginge es nach den Juroren-Votings, hätte Australien den nächsten ESC mit heftiger Zeitverschiebung in Ozeanien ausgerichtet. Ohne Zweifel: Der Beitrag von „down under“ war gut, vermutlich tatsächlich der musikalisch beste unter den Vorträgen. Die Interpretin koreanischer Abstammung überzeugte durch ihr Können und ihre Stimme. Einmal mehr wirkte hier auch die alte Politikerweisheit: Je unbekannter du bist und je weiter weg von den aktuellen Konflikten du dich befindest, desto mehr Zustimmung erhältst du. Bis auf Irland, San Marino und Tschechien wurden die Aussis von allen Jurys bedacht.

Tatsächlich aber lag alle Spannung nicht zuletzt aufgrund hochpolitischer Scharmützel im Vorfeld auf dem Abschneiden der beiden mittelosteuropäischen Kriegsparteien. Wobei Polen noch mit seinem Beitrag für etwas Irritation sorgen sollte, dessen musikalischer Schmalz – pardon: Schmelz – ebenso wie der Interpret an den jungen Demis Roussos erinnerte – nur ungefähr halb so gut und höchstens halb so beleibt.

Blicken wir auf den Kriegsschauplatz
Der Blick auf das Jury-Voting der sogenannten Experten lässt in vielerlei Hinsicht tief blicken. Da finden sich zum einen die Länder, die im unerklärten Krieg eindeutig Position beziehen. Sie warfen ihr gesamtes Gewicht zugunsten des einen in die Waagschale, um den anderen so gut wie leer ausgehen zu lassen.

Die Eindeutigen
So votete Zypern, Russlands EU-Offshore Bank, mit 12:0 für die Moskowiter. Eindeutig zu den orthodoxen Freunden steht auch EU-Griechenland. 10 Punkte überreichten sie Putin – nur 2 gingen an Poroschenko. Montenegro – mittlerweile bevorzugter Ort russischer Touristen, und Island lieferten immerhin noch 8:0 Russlandpunkte ab. Man muss eben Prioritäten setzen. Montenegros Nachbar Albanien will es sich auch lieber mit der Ukraine als mit Russland verderben: 7:0. Bulgarien hielt es ähnlich (Urlaub am Goldstrand könnte für Russen eine Alternative zur türkischen Mittelmeerküste werden) – 6:0.

Damit allerdings hatte es sich unter den 42 Voter-Ländern auch schon, von denen das jeweils beurteilende Land seinem eigenen Interpreten keine Stimme geben darf.

Wesentlich klarer stand die Pro-Ukraine-Front. 12:0 voteten Dänemark, das ständig von Russland militärisch bedrängte Georgien, Israel, Mazedonien, Polen und Slowenien. Mit 10:0 bezogen Großbritannien und Italien eindeutig Stellung. Da sind nun alle musikalischen Handtücher Richtung Moskau zerschnitten.

Nicht so recht entscheiden konnten sie die üblichen Verdächtigen. Deutschland – immer noch auf Nicoles Wolke aus den 80ern schwebend – hielt sich an den damaligen Erfolg des „ein bisschen Frieden“ und solidarisierte sich mit 7:0 Ukraine-Punkten. Ähnlich hielten es die Balten (Estland und Litauen mit 7 bzw. 8:0) und die Schweiz (6:0).

Die Ambivalenten
Mit keinem der beiden Kontrahenten verderben wollten es sich vorrangig andere, ehemalige Sowjetkolonien. Aserbeidschan braucht beide – also 12:10 Punkte zugunsten Russlands. Die im Karabach-Konflikt an der Seite Armeniens stehende ehemalige Kolonialmacht wirkt offenbar doch etwas bedrohlicher als die gebeutelte Ukraine. Lettland will den Draht zu Russland auch nicht ganz abbrechen lassen – aber das Herz schlägt für die Ukrainer. Also 12:7 für die Tatarin. Moldawien – ein weiterer Restbestand aus dem russischen Kolonialimperium, sieht das ähnlich. Auch 12:7 für die Ukraine. Selbst das weißrussische Herz schlägt immer noch für die Ukraine – aber da man es sich aber vernunftmäßig mit der Hegemonialmacht nicht verderben will, geht es dann auch hier 12:7 aus – aber dieses Mal zugunsten Russlands.

Da ist dann noch das südeuropäische Riesenreich San Marino, das ebenso viele Punkte verteilen darf wie die Kleinstaaten Russland oder Deutschland – es folgt den Belorussen mit einem 12:7 Pro-Russland-Votum. Das irgendwo über viele Meere ganz weit weg vom zentral-italienischen Bergdorf gelegene Australien geht leer aus.

Die Neutralen
Am liebsten ganz aus dem Konflikt heraushalten möchten sich Finnland, Irland, Tschechien und Ungarn. Bevor man etwas falsch macht – lieber keinem von beiden einen Punkt geben.

Doch da ist auch beispielsweise Armenien – längst schon wieder im großrussischen Imperium eingegliederter Vasallenstaat. Es trotzte mit stillem Protest: Nur zwei Punkte an den Hegemon und vorsichtshalber keinen an die Ukraine. Ähnlich versuchten es Belgien und die Niederlande (3:0 für die Ukraine) sowie Norwegen (4:0), während Frankreich noch ein wenig russophil mit 0:2 für Russland votete.

Für Australien, zum zweiten Mal erfolgreich beim Europäischen Sängerstreit dabei, sind Europas Konflikte weit weg. Es entschied mit 2:0 für die Ukraine und unterstützte lieber den Philadelphia-Pop mit Phil-Collins-Einsprengseln aus Belgien sowie den Frisurentrendsetter aus Israel, welcher sich auch über die 12 points aus Deutschland freuen durfte.

Der nicht mehr Neutrale
Geschmerzt haben dürfte in Moskau das Votum der Slawenbrüder in Serbien, für die man vor gut hundert Jahren die Zarenherrschaft geopfert hatte: 12 : 1 für die Ukraine! Serbiens Musikindustrie sieht die lukrativen Geldtöpfe des Popgeschäfts offensichtlich doch eher im Westen als im Osten.

Das Televoting entscheidet
Soweit die Offiziellen. Hier hatten am Ende die fernen Australier mit ihrem tatsächlich besten Song eindeutig die Nase vorn. Doch dann kam das Zuschauer-Voting, zu dem zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen leider noch keine detaillierten Angaben vorlagen und dessen Zustandekommen mir ein Rätsel bleiben muss.

Dieses Voting zementierte zum Einstieg eindrucksvoll Deutschlands Unbeliebtheit in Nord, Süd, West und Ost, indem es auf das bislang errungene, eine Pünktchen noch schmale zehn obendrauf legte. Damit fand man sich kurz vor Schluss der Veranstaltung auf dem vorletzten Platz vor Polen, welches irgendwie untergegangen zu sein schien.

Nun konzentrierte sich der Fight zunehmend auf die Ukraine, Australien und Russland. Doch auch die hier errungenen, phänomenalen 361 Punkte sollten Putins Sängerknaben, der laut BILD-Bericht über eine bunte, sexualfetischistisch-bestimmte Vergangenheit verfügte, nicht mehr auf die Eins bringen – das magere Abschneiden beim Jury-Voting ließ am Ende nur die Bronzemedaille zu.

Erst auf der Zielgeraden zog dann die Krimtatarin mit 323 Telefon-Punkten an der Australierin (191 Punkte) vorbei. Die Ukraine hatte gesiegt und der Welt – diesmal schauten selbst die USA und China zu – gezeigt: Egal, wie kräftig Putin auftritt – am Ende gewinnt die Gerechtigkeit! Und die ohnehin an Geldmitteln knappe Ukraine darf 2017 erneut den ESC ausrichten. Da werden die „Big Five“ (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Frankreich und Spanien) – jene Westeuropäer, die immer gesetzt sind weil sie als Hauptgeldgeber die Show finanzieren – also einmal mehr Entwicklungshilfe leisten dürfen.

Der im Kreml kalt gestellte Krimsekt – oder sollte es doch französischer Champagner gewesen sein? – wird daher verkorkt geblieben sein. Nicht nur aktuell ausgerechnet gegen eine aufmüpfige Krimtatarin aus der Ukraine untergegangen – nun muss Putin auch noch entscheiden, ob man im kommenden Jahr im Feindesland Kiew einen erneuten Versuch wagen soll. Viel Spaß daran wird er nicht verspüren.

Und Polen …
Bevor ich es vergesse – dann war da ja auch noch Polen. Die Jury-Voter wussten mit diesem Schmalz und sieben Punkten kaum mehr anzufangen als mit dem deutschen Beitrag. Offenbar aber traf der junge Dürer von der Weichsel zumindest den Geschmack der weiblichen 70+ Generation, die schon einst bei Demis vom Röschen bis zum Höschen alles auf die Bühne warf, was nicht niet- und nagelfest war. Anders jedenfalls vermag ich mir nicht zu erklären, warum dieser Non-Song bei den Televotern 222 Punkte einsammelte – zu denen Deutschland großzügig 10 beisteuerte.

Sei es unseren derzeit so arg von der EU gescholtenen Nachbarn gegönnt, das böse Deutschland im allerletzten Moment rettungslos auf den allerletzten Platz verwiesen zu haben. Wobei – 12 deutsche Televoter-Punkte gingen zum Ausgleich an den Russen. Da konnte die Diskrepanz zwischen Offiziellen und vorgeblichem Volk kaum größer sein. Weshalb böse Zungen bereits kolportieren, dass der russische Geheimdienst nicht nur den Deutschen Bundestag und die CDU-Parteizentrale gehackt hat und den Schweizer staatseigenen Rüstungskonzern Ruag, sondern sich auch bei der Deutschen Telekom eingeschlichen haben muss. Wahrscheinlicher allerdings ist, dass die russischstämmige Gemeinde der bundesdeutschen Republik nebst den unverdrossenen Putinfans weder Gebühren noch Fingerkuppen gescheut hat, um dem Herrscher aller Reußen einen angenehmen Abend zu kredenzen. Der Rest des deutschen Publikums ließ es einmal mehr mit sich geschehen.

Und nun?
Was für Deutschland bleibt, ist eine bittere Erkenntnis. Diese Schlacht, die doch so rein künstlerisch unpolitisch sein soll und doch immer so politisch ist, hat einmal mehr gezeigt: Ohne einen Raab, der von Land zu Land reist und freundschaftlich verdeutlicht, dass der größte ESC-Finanzier gelegentlich auch einen Erfolg sehen möchte, geht es offenbar nicht. Die Liebe zur deutschen Sangeskunst reicht mittlerweile nicht einmal mehr bis zu den Offiziellen. Mehr denn je scheint zu gelten: Alle lieben Deutschlands Geld – niemand Deutschland. Und so hat nun eben nicht nur das Manga-Mädchen mit seiner kleinkindhaften Verkleidung verloren – da wurde einmal mehr auch die deutsche Politik abgestraft.

Trotzdem weitermachen? Eigentlich scheint es für Deutschland an der Zeit, die ESC-Taste zu bedienen – jene, die am PC alles wieder auf Null setzt. Entweder, die Veranstalter finden einen Weg, der tatsächlich Lied und Vortrag bewerten lässt, statt aktuelle politische Leidenschaften und binationale Abneigungen zu bedienen – oder das Geld, das der Zwangsgebührenzahler in diese Megashow stecken muss, um sich von Mal zu Mal eine Abreibung abzuholen, sollte für andere Inhalte des öffentlich-rechtlichen Bildungsfernsehanspruchs eingesetzt werden. Dauermoderator Peter Urban ist ohnehin im hohen Rentenalter – und Barbara Schöneberger an diesem Abend nicht sehen zu müssen, kann ganz erholsam sein.

Der Traum von der Finanzierung
Mein Vorschlag: Künftig wird die Rechnung des European Song Contests anschließend auf die Endrundenteilnehmer umgelegt. Anteilig nach Erfolg bei der Endausscheidung. Das Endstand-Punktekonto könnte problemlos prozentual auf die Teilnehmer umgerechnet werden. Erst dann – da bin ich mir absolut sicher – wird es wieder erste Plätze für die Deutschen geben. Vorausgesetzt selbstverständlich, unsere Kunstdarbietungen überleben die Vorentscheidungen.

Perfekt gestylt wie Drag Queen Conchita Wurst ging der 60. Song Contest als eine...
Die Offiziellen jedenfalls würden von ihren heimatlichen Sendeanstalten schon den Hinweis erhalten, wer am Ende gemolken werden soll und wer nicht. Und die Televoter können das dann möglicherweise aus Geldgründen leicht verzerrte Ergebnis etwas korrigieren, um so dieser Veranstaltung, die leider trotz mittlerweile anzuerkennender höherer Musikqualität am Ende eine Farce bleibt, zumindest einen demokratischen Schein zu verleihen und das Interesse der jeweiligen Fanclubs aufrecht zu erhalten.

Alternativ wäre auch denkbar, dass sich die Teilnehmer mit ihrem Geldbeitrag Stimmrechte erwerben und für die eigenen Kandidaten abstimmen dürfen. Dann bestünde immerhin die Chance, aus dieser Show eine wahre Geldmaschine zu machen und die Zwangsgebühren herunterfahren zu können.

Selbstverständlich könnte man auch die Kosten gerecht und mit gleichen Anteilen durch die Anzahl der Teilnehmer finanzieren lassen und ansonsten bliebe alles so, wie es ist. Nur ohne gesetzte Kandidaten, was dann vermutlich – blickt man auf die Ergebnisse der vergangenen Jahre – Kosten und Zuschauerinteresse nicht nur in Deutschland ziemlich herunterfahren würde.

Vermutlich aber bleiben all diese Vorschläge nur wirre Träume und Deutschland schenkt der Welt weiterhin ein Spektakel, an dem es regelmäßig zum Schluss als Oberloser dasteht. Dann sollten wir es wohl am besten als Beitrag zur Völkerverständigung verstehen, bei dem alle anderen gezielt ihren aufgestauten Dampf gegen die Bundesrepublik ablassen können. Das passt dann auch gut in die Selbstkasteiungsmentalität breiter Bevölkerungsschichten.

Wäre also nur noch ein Weg zu finden, wie man die unbedarften Seelen der jungen deutschen Teilnehmer vor dem unweigerlichen Absturz und dem unvermeidlichen Selbstzweifel schützt, wenn wieder einmal Deutschland die rote Laterne in der Hand hält. Mit einer Einladung beim Bundespräsidenten wird es wohl nicht getan sein – ein geschulter Psychologe als Coach sollte es schon sein, wenn es darum geht, die zerplatzten Starblasen auf den Boden der harten Realität zurück zu bringen.

PS: Wie nach Redaktionsschluss bekannt wurde, haben die Russen selbst beim Televoting 10 Punkte an den Ukrainischen Beitrag vergeben. Da werden nun allerdings im Kreml alle Alarmglocken auf Dauerrot stehen.

Hat sich die russische Staatsführung so viel Mühe gegeben, das Prestigeprojekt ESC zum heroischen Erfolg zu bringen und bei Interpreten-, Song- und Bühnenbildauswahl nichts dem Zufall überlassen, stimmt das unbotmäßige Volk ungeniert und unabhängig entgegen der patriotischen Linie der Führung nicht nur für die aus Putin’scher Sicht faschistische Ukraine, sondern auch noch für eine Dame, die die spezifische Situation der zwangsannektierten und widerspenstigen Krimtataren in der stalinistischen Vergangenheit und damit in der putinistischen Gegenwart thematisiert.

Wenn schon bei der deutschen Punktevergabe eine deutliche Diskrepanz zwischen Offiziellen und Volk festzustellen war – hier hat das russische Volk nun alles getoppt. Putin wird unruhige Nächte haben.

;-) Jean-Claude
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Meinungen 16 Mai 2016 13:49 #30881

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Hallo,

ich habe noch einmal einen Text aus dem Jahr 2011 herausgesucht, der den Zerfall der Sowjetunion rein aus wirtschaftlicher Sicht auffächert: www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deu...zerfall-der-su?p=all

Hier wird auch klar, dass sich die Schwierigkeiten lange Jahrzehnt hinstreckten. Alle Versprechungen an die eigene Bevölkerung, dass man den Westen einholen, gar überholen werde, waren blankes Schönreden und Wunschdenken. Und im Laufe der Zeit wurde das auch kaum mehr geglaubt.
Aber der Stachel des Versagens scheint besonders bei den Russen tief zu sitzen. Und jetzt kommt eben Putin auf den Plan, der den Russen einimpft: "wir sind wieder wer". Das wirkt wie eine seelische Befreiung.

Dabei ist das "wir sind wieder wer" schon sehr merkwürdig aufgebaut. Es basiert nicht unbedingt auf Leistung und Anerkennung, es basiert auf Furcht vor russischen Drohgebärden und russischer Gewalt.

Gruß nobody
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Meinungen 18 Mai 2016 09:54 #30902

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Eine Stellungnahme des Chefredaktors des Tagesspiegels Stephan-Andreas Casdorff zum Geplänkel innerhalb des SVP zur nächsten Kanzlerwahl:

In einem hat SPD-Generalsekretärin Katarina Barley vollkommen recht – die Kritik am Thema Urwahl eines Kanzlerkandidaten für aufgebauscht zu halten. Also, bei der Koalitionsfrage war es höchst willkommen, die Basis zu befragen. Da galt es als richtig basisdemokratisch. Jetzt wäre es nur ein Ausweis von Schwäche? Parteimitgliedern die Möglichkeit zu geben, den oder die auszuwählen, von dem sie sich als Spitzenkandidat am besten repräsentiert sehen, ist in dieser Lage doch geradezu Pflicht. Die Chance ist vielmehr, dass genau das die SPD mobilisiert, inhaltlich und für den Wahlkampf. Was allerdings stimmt: Voraussetzung ist, dass sich alle die Helden und Heldinnen, die sich gern bedeckt halten, aber genauso gern aus der Deckung kritisieren, herauswagen müssten. Sie müssten sich zeigen und sagen, wofür und (noch gefährlicher) wogegen sie stehen. Das wäre innerparteilicher Diskurs. Und ehrliche Politik. Das gilt selbst dann, wenn Parteichef Sigmar Gabriel die Urwahl auch deshalb anregt, damit am Ende nicht er selbst antreten muss. Zu erwarten, dass der Vorsitzende mürbe wird, zurücktritt und dann alle froh sein sollen, wenn einer oder eine sich erbarmt, will sagen: dass ihm oder ihr kampflos alles in der SPD zufällt – das ist unangemessen. Solche Taktiererei und Ranküne sind keine guten Gründe, eine Partei zu wählen.
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Meinungen 19 Mai 2016 20:10 #30911

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ESC und kein Ende.
Agence hast ja nicht gespart an Worten :)
Nun mein Beitrag.
Wozu dient das ganze?
Wird der Geschmack sowohl musikalisch als auch textlich bewertet?
Oder doch - nach Agences Beitrag zu urteilen - eher das Land, welches angenehm ist?
Oder bekommt Die-/Derjenige die Punkte, weil er gut aussieht, sich gut präsentiert und der Geang damit in den Hintergrund tritt - man Die/der ist geil?
Oder soll einfach mal Geld fließen?
Wozu das Ganze (Gebrüll :silly: )
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Meinungen 21 Mai 2016 09:40 #30923

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Unsere verschobene Welt - oder doch die Geil-Gesellschaft ?

Hallo,

ich möchte hier nicht klagen, dass früher alles besser gewesen sei. Das ist nicht der Fall. Ich kann aber einen etwas größeren Lebenszeitraum überblicken und frage mich schon: Quo Vadis Germania ?

Ich stelle mal ein paar Gedanken zusammen. Dabei beschränke ich mich nur auf den Aspeckt Sprache (Lesen, Schreiben, Verstehen, Anwenden). Völlig andere Themenkreise sind ebenso möglich.
Ich komme auch "unsortiert" daher, weil der Aufbau einer guten Argumentationskette Zeit, Gehirnschmalz und auch eine Zielrichtung bräuchte. Aber genau letztere fehlt. D.h. aber noch lange nicht, dass mein Gefühl trügerisch wär'.
  • Da studiert man heute und braucht im Laufe der Ausbildung eine Zahl an Büchern, die locker an einer Hand abzuzählen ist ?
  • Das Arbeitsamt finanziert eine zweijährige kaufmännische Ausbildung (IHK-Abschluss), die mit miserablen Deutschkenntnissen sehr erfolgreich abgeschlossen wird. Vom gesamten Kenntnisstand will ich gar nicht erst reden, denn der ist grottenschlecht, und natürlich finden die Absolventen mehrheitlich keinen Job im gelernten Job.
  • Deutschland macht eine Führerscheinprüfung in diversen Sprachen. Die Teilnahme am Straßenverkehr geht dauerhaft ohne Deutsch ?
  • Neue Deutschlehrer sollen in NRW möglichst Migrationshintergrund haben. Kulturgeschichtlicher Hintergrund zum Verstehen von Texten wie Paul Celans "Die Todesfuge" fehlt, selbst ein Begriff wie "Dolchstoßlegende" kann der Deutschlehrer wohl schwerlich aus dem Stehgreif klären.

Das Weglassen und Vereinfachen wird zum Prinzip erklärt, wie wir anhand vieler Behördentexte mittlerweile sehen, die nunmehr gesondert in einfacher Sprache im Netz abrufbar sind. Doch der Bürger ist mittlerweile kaum noch in der Lage, seine Wohnungsnebenostenabrechnung zu verstehen.

Das Weglassen und Vereinfachen an sich ist nicht das Problem. Den klassischen Reiseführer muss ich nicht kaufen und lesen. Ich kann ihn womöglich durch Tripadvisor ersetzen. Aber das Internet fördert nur dann ein Ergebnis zutage, wenn ich Basiskenntnisse mitbringe, die eine gezielte Suche ermöglichen. So hatte ich gestern das Problem, dass Dateien auf einem Linux-System nicht ansprechbar waren. Meine Firmendatenbank sollte erweitert werden, die Dateirechte stimmten nicht. Ich musste Superuser werden ;-) Und weil meine Basiskenntnisse mal wieder in Vergessenheit waren, da habe ich 20 Minuten Arbeitszeit sinnlos verdödelt. Aber eine ganz gezielte Suche im Netz brachte das Ergebnis.

Das Weglassen und Vereinfachen führt nun aber auch dazu, dass ich eine Meinung und mein Wissen eventuell aus sehr oberflächlichen Quellen beziehe. Ein Hinterfragen gibt es nicht.

Und genau das öffnet Demagogen und einem gewissen Mainstream Tür und Tor. Russland ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es steuern und in eigene Richtung nutzen kann.
So habe ich heute ein Foto eines russischen Diplomatenfahrzeuges in Bishkek, Kyrgyzstan gesehen mit Neurussland-Aufkleber. Selbst mit solchen eigentlich belanglosen Details wird langfristig eine Pseudo-Wahrheit zementiert, die der Ukraine den Anspruch auf sein Land abspricht.

Die Rückkehr von der Geil-Gesellschaft zur Denken- und Wissens-Gesellschaft ist notwendig.

Gruß nobody
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Letzte Änderung: 21 Mai 2016 12:35 von nobody.
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Meinungen 24 Mai 2016 11:19 #30946

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30 Jahre ist es her als das Tschernobyl Europa erschaudern liess. Viele Wildfrüchte wie Pilze waren auf einem verstrahlt und mussten vernichtet werden. Abgeschossene Wildschweine in Italien waren ungeniessbar geworden. Das waren aber nur Nebensächlichkeiten, denn das wirkliche Drama spielte sich in der näheren Umgebung des in die Luft gegangenen Atomsmeilers ab. Alles nur um den Kernstoff für die Atombomben bauen zu können wurden in der UdSSR solche gefährliche Atommeiler gebaut. Die radioaktive Strahlung nach dem Unfall in Fukushima ist ein Klaks dagegen.
Bei den Russen war es um die Welt in Angst und Schrecken versetzen zu können. In Fukushima war es "nur" die Gewinnsucht des Beteibers.

Ein Beitrag über Tschernobyl in Swissinfo,ch



Die Kinder von Tschernobyl sind erwachsen geworden von Niels Ackermann

"Hier sterben mehr Menschen an Drogen und Alkohol als an radioaktiven Strahlen", erklärt Kiril. Er zeigt auf das Grab seines besten Freundes, der an einem allzu feuchtfröhlichen Abend vom Balkon in den Tod gestürzt ist.
2016 gedenkt die Welt der Atomkatastrophe von Tschernobyl vor 30 Jahren. Statt die Folgen des Unfalls zum wiederholten Mal in Erinnerung zu rufen, habe ich beschlossen, mich der Zukunft zuzuwenden und drei Jahre lang der Jugend von Slawutytsch zu folgen: Der jüngsten Stadt der Ukraine, der Stadt, die nach dieser Katastrophe aus dem Boden gestampft wurde.
In meiner Reportage kommt Yulia vor, die sich vor meiner Kamera vom Teenager zu einer jungen Erwachsenen entwickelt hat. Im Laufe der Monate hat die Jugendliche Partys, Eroberungen für einen Abend und viel Alkohol gegen eine Arbeit, Verantwortung und ein Leben als verheiratete Frau eingetauscht. Sie und ihre Freunde liessen mich an dieser entscheidenden Lebensphase teilhaben, in der man entscheidet, was man aus seinem Leben machen will, wo und mit wem. Eine Wandlung, die das Land ebenfalls kennt, das sich schmerzhaft von seinem Nachbarn Russland befreit. Die Jugend von Slawutytsch, wie jene des ganzen Landes, muss die Fehler ihrer Eltern wieder gutmachen und eine heitere und erfolgreiche Zukunft aufbauen.
Slawutytsch wurde inmitten eines Waldes, 40 km vom Unglücksreaktor entfernt gebaut, und gab sich als eines der letzten Fenster der grossen Sowjetunion aus. Seit das Atomkraftwerk im Jahr 2000 aufgehört hat, Strom zu produzieren, hängt seine Zukunft nur noch vom Bau des neuen Sarkophags ab, der 2017 fertiggestellt sein soll, und von den verschiedenen Subventionen, welche diese strategisch wichtige Stadt mit ihrer sehr begrenzten Perspektive erhält.
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Meinungen 24 Mai 2016 11:30 #30947

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Hallo Jean
Ich finde Machthunger und Geldgier sind ein und daselbe.Sozusagen eineiige Zwillinge.
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Meinungen 01 Jun 2016 15:16 #31099

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Das Integrationsgesetz regelt vieles – aber nicht das Wichtigste Von Hugo Müller-Vogg
Mi, 1. Juni 2016

So ist das geplante Integrationsgesetz ein richtiger Ansatz – aber nur ein halbherziger. Es eröffnet den Zuwanderern Chancen auf dem Ausbildungs-, Arbeits- und Wohnungsmarkt. Für die eigentliche – die kulturelle Integration – bewirkt es indes nichts.

Gegen_den_Strom_Mueller_Vogg
Die Bundesregierung hat sich auf den Entwurf eines Integrationsgesetzes geeinigt. Das Ziel ist klar: Zuwanderer sollen gefördert, aber auch gefordert werden. Kaum waren die Eckpunkte bekannt, hagelte es Kritik von Seiten der üblichen Verdächtigen: Grüne und Linke, kirchliche Organisationen und Verbände der Sozialindustrie beklagten die latente Ausländerfeindlichkeit, die sich in diesem Entwurf angeblich manifestiere.
Die wichtigsten Einwände gegen den Entwurf lauten: Das Gesetz sei erstens überflüssig, da alle Asylbewerber, Schutzsuchende und Arbeitsmigranten wild entschlossen seien, sich zu integrieren. Zweitens: Wer Sanktionen gegenüber Migranten auch nur erwäge, offenbare ein tiefsitzendes Misstrauen gegenüber den Neuankömmlingen. Drittens: Die geplanten Maßnahmen schränkten die Freiheiten und die Freizügigkeit der betroffenen Menschen in unzulässiger Weise ein.

Fakten
Wer so argumentiert, blendet die Wirklichkeit bewusst aus. Bisher haben jedenfalls die Integrationsangebote von Staat und Gesellschaft und die Integrationsbereitschaft der Zuwanderer aus fremden Kulturkreisen nicht ausgereicht, um schlimme Fehlentwicklungen zu verhindern. Dazu nur einige Fakten:
◾Fünf Jahre nach ihrer Ankunft in Deutschland hatten in der Vergangenheit nur 50 Prozent der Zuwanderer einen Job; nach 15 Jahren waren immer noch 30 Prozent arbeitslos.
◾Unter den jährlich fast 6 Prozent Schulabgängern ohne Abschluss, unter den rund 15 Prozent jungen Menschen ohne Berufsausbildung und unter den 7,5 Millionen funktionalen Analphabeten sind jeweils überproportional viele Migranten.
◾Die Parallelgesellschaften in Berlin oder nordrhein-westfälischen Großstädten sind keine künstlich aufgebauschte Schreckensvision, sondern traurige Realität.

Natürlich gibt es sehr viele Zuwanderer, die sich bestens integriert haben; aber bei weitem nicht alle wollten oder konnten das. Apropos Integration. Sprache, Ausbildung und ein Arbeitsplatz sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine gelungene Integration. Wer aber – ungeachtet seiner Herkunft aus einem fremden Kulturkreis – seiner Arbeit nachgeht, seine Kinder in die Schule schickt und seine Steuern zahlt, ist damit noch keineswegs gesellschaftlich integriert. Viele muslimische Zuwanderer gestalten ihr Familienleben nach ihren eigenen Wertvorstellungen, die teilweise unseren diametral entgegenstehen. Wenn ein muslimischer Familienvater seiner Frau jeden Kontakt mit deutschen Nachbarn untersagt, die Söhne für „wertvoller“ hält als die Töchter und diese zwingt, Kopftuch zu tragen und Distanz zu männlichen Klassenkameraden zu halten, der ist eben nur strukturell, aber keineswegs kulturell integriert.

Nur strukturell integriert
Das Bild von der multikulturellen Idylle, in der auf schnelle und umfassende Integration erpichte Zuwanderer von deutschen Dumpfbacken an einer noch schnelleren Eingliederung in Arbeitsmarkt und Gesellschaft gehindert werden, ist eine Schimäre. Der Aufschrei über die Diskriminierung der Migranten durch die im Integrationsgesetz angedrohten Sanktionen ist ebenfalls eine zielgerichtete Irreführung der Öffentlichkeit. „Hartz IV“-Empfänger müssen schon seit langem mit der Arbeitsagentur eine individuelle „Eingliederungsvereinbarung“ abschließen. Darin verpflichten sie sich zu bestimmten Schritten, um eine feste Arbeit zu finden. Halten sie sich nicht daran, drohen ihnen Sanktionen. Dahinter steckt die Überlegung, wer vom Staat finanziell unterstützt werde, müsse sich als „Gegenleistung“ ernsthaft darum bemühen, seinen eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das gilt übrigens für alle Langzeitarbeitslose – deutsche wie zugewanderte.

Wer Asyl beantragt, muss auch Pflichten übernehmen
Asylkrise: Eingliederungs-Vertrag für Flüchtlinge

Wer an unseren Grenzen das magische Wort „Asyl“ sagt, wird bei uns aufgenommen. Ob er...
Was soll eigentlich daran diskriminierend sein, wenn dasselbe Prinzip gegenüber Flüchtlingen angewendet wird? Wer seine Heimat – aus welchen Gründen auch immer – verlässt und nach Deutschland kommt, der hat sich das Land seiner Träume selber ausgesucht. Ja, er hat fast immer mehrere andere „sichere“ Länder durchquert, weil er weiß, dass die Sozialleistungen in Deutschland höher, das gesellschaftliche Klima freundlicher und die eigenen wirtschaftlichen Perspektiven besser sind als in fast allen anderen Ländern Europas. Die Wette gilt: Das angeblich diskriminierende und repressive Integrationsgesetz wird keinen Flüchtling dazu bewegen, lieber sein Glück in Frankreich oder Großbritannien zu suchen als in der Bundesrepublik.
Dass Flüchtlingen künftig durch eine „Wohnsitzauflage“ daran gehindert werden, im Land ihrer Wahl auch den Ort ihrer Wahl selbst auszusuchen, wird ebenso wenig einen Abschreckungseffekt auf potentielle Zuwanderer ausüben. Was jetzt als Anschlag auf Freiheit und Freizügigkeit gebrandmarkt wird, folgt übrigens einem bekannten Muster. Um Ghetto-Bildung zu verhindern, wurden nach 1996 den deutschen Spätaussiedlern aus Russland die Wohnorte zugewiesen. Das hat, wie sich im Nachhinein feststellen lässt, deren Integration nicht behindert, sondern gefördert. Damals hat übrigens niemand „Diskriminierung“ gerufen. Ob es damit zusammenhing, dass es sich bei den Spätaussiedlern „nur“ um Deutsche handelte?
Das Integrationsgesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung. Der Staat investiert viel mehr als in der Vergangenheit in Sprach- und Integrationskurse und erwartet als Gegenleistung, dass diese Angebote angenommen werden. Dass niemand mit Sanktionen belegt werden kann, wenn das entsprechende Kurs-Angebot (noch) nicht vorhanden ist, versteht sich von selbst. Wer Gegenteiliges behauptet, will nur Stimmung gegen das Gesetz machen. Ganz wichtig ist, dass die Arbeitsaufnahme erleichtert wird und selbst diejenigen, die keinen rechtlichen Anspruch darauf haben, auf Dauer hier zu bleiben, ihre Ausbildung abschließen dürfen. Diese Rückkehrer haben dann in ihrer alten Heimat bessere Chancen als solche, die bei uns keine Ausbildung genossen haben.

Kulturelle Integration nicht angepackt
So richtig und wichtig das Integrationsgesetz auch ist – es greift mit Blick auf die kulturelle Integration zu kurz. Dafür wären Eingliederungsverträge zwischen denen, die hier bleiben wollen, und dem Aufnahmeland notwendig. Die Flüchtlinge und Schutzsuchenden müssten sich verpflichten, eine Gegenleistung für die Aufnahme in diesem Land zu erbringen, nämlich ein Bekenntnis zu rechtsstaatlichen Spielregeln und abendländischen Werten, kurz: zur europäischen Leitkultur. Genau das hat die CDU auf ihrem Karlsruher Parteitag beschlossen. „die Verabschiedung von Gesetzen des Bundes und der Länder, in denen der Abschluss von verbindlichen Integrationsvereinbarungen zwischen Staat und Migranten geregelt wird.“
Doch bei den Verhandlungen über das Integrationsgesetz stellte sich schnell heraus, dass die SPD da auf keinen Fall mitmacht. Mancher in der CDU dürfte darüber sogar froh gewesen sein, wäre das doch beim Wunschpartner für 2017, den Grünen, auf strikte Ablehnung gestoßen.
So ist das geplante Integrationsgesetz ein richtiger Ansatz – aber nur ein halbherziger. Es eröffnet den Zuwanderern Chancen auf dem Ausbildungs-, Arbeits- und Wohnungsmarkt. Für die eigentliche – die kulturelle Integration – bewirkt es indes nichts.
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Meinungen 03 Jun 2016 10:42 #31122

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- CASDORFFS AGENDA -
Die einen bauen die Tunnel, die längsten der Welt, die anderen die schnellsten Züge: die Schweizer und die Deutschen, ziemlich beste Partner, wenn man sie lässt. Über den Gotthard-Tunnel, gerade eröffnet, ist alles noch frisch in Erinnerung. Über den ICE, 25 Jahre alt, nicht. Drum kurz: ein Kind der 70er, 80er. Eines der Ära Kohl. Am Reißbrett '71 erfunden. Rad-Schiene-Technik, die doch noch nicht überholt ist. 300 bis 320 Kilometer schnell, bis zu 400 Meter lang. 253 Züge, die 220.000 Passagiere täglich in 700 Verbindungen transportieren, 880 pro Zug. Aber bis sie durch den Gotthard mit Hochgeschwindigkeit fahren können, dauert es. Beim Ausbau der Rheinschiene haben die Deutschen Verspätung. So lange, wie der ICE alt ist.
Einen guten Morgen wünscht
Ihr Stephan-Andreas Casdorff, Tagesspiegel-Chefredakteur

Gut gesagt, nur hat er den TGV vergessen, der noch älter als der ICE ist.
Die Deutschen wissen schon lange, dass die Rheinschiene ausgebaut werden muss. Sie haben es aber verschlafen oder anders gesagt zu wenig auf Lärmschutzmassnahmen geachtet und so hagelte es verständlicherweise von Einsprachen. Jetzt sind sie schon 25 Jahre im Verzug Eine andere Möglichkeit ware gewesen eine Überdachung der Geleise vorzusehen. Auf dIeser können dann Gebäude gebaut werden. Also an Stelle in die Breite in die Tiefe gehen.
Wo ist da der dt. Erfindergeist geblieben frage ich mich?

Der Sackbahnhof von Zürich war lange ein Nadelör. Das wurde zum Teil so gelöst, dass die Vorortszüge als Durchmesserlininen ins 1. Untergeschoss verschoben wurden.
Als ich das letzte Mal nach Kloten fuhr, staunte ich recht. Dieser Zug machte einen Halt im 2. Untergeschoss.
Damit hat der Sackbahnhof seine meisten Züge abgegeben. Es sind jetzt dadurch Durchmesserlinien entstanden und da diese unterirdisch verlaufen, werden die Anwohner von einen Teil des Eisenbahnlärmes entlastet. Klar kostet das, es ist aber die einzige Möglichkeit um mit dem Fortschritt mitzuhalten und den Menschenverkehr auf die Schiene zu überführen.
In Zürich hat das den Vorteil, dass der Bahnhof im Zentrum der Stadt bleiben kann.

Das neue Bahnhofprojekt von Stuttgart ist die Lösung der Zukunft um die Bahn im Zentrum zu behalten, nur darf es nicht so enden wie der BER. Die Schweiz hat bewiesen, dass Grossprojekte möglich sind und die Finanzierung durch verschiedene Träger sichergestellt werden kann.

Wird mal der Gotthard voll da stehen, es fehlt noch der Ceneritunnel, dann kann die Schweiz beginnen den Schwerverkehr auf die Bahn zu transferieren. Neben dem Basistunner Ceneri müssen noch etliche andere zum Teil hundertjährigeTunnel vergrössert/vertieft werden, damit die aufgeladenen Sattelschlepper durch kommen und doppelstöckige Personenwagen verkehren können.
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